Äh

Nervend im Job und privat: Sag doch nicht immer Äh

Wenn Ähs und Ähms zur Gewohnheit werden, ist es höchste Zeit zum Abgewöhnen

Es reicht, ein bisschen nervös zu sein, und schon sprudeln die Verlegenheits-Ähms nur so aus einem heraus. Selbst wer im Alltag flüssig spricht, baut plötzlich Äh-Stolperer ein, wenn es draufankommt. Weil man unsicher oder verlegen ist und in einer Konferenz oder vor Publikum reden muss. Kommen Ähs und Hmms selten vor, sollte man sich keine weiteren Gedanken darüber machen. Hin und wieder eine hörbare kleine Denkpause mit einem bewussten Hm einzulegen und damit die eigene Unsicherheit einzugestehen, kann sogar ganz charmant sein. Es schafft Vertrauen, Sympathie und zeigt: Da steht ein Mensch wie du und ich und keine Rede-Maschine. Man signalisiert damit, dass einem nicht sofort eine Antwort einfällt und man das ehrlicherweise zugibt. Doch sobald es zur Marotte wird, lässt sich nichts mehr schönreden. Es nervt. Denn auch wenn das Erzählte noch so gut ist, schlimmstenfalls hört nach kurzer Zeit niemand mehr zu, weil alle mit Äh-Zählen beschäftigt sind.

Füllwörter schwächen Botschaften

Auch andere Füllwörter wie quasi, irgendwie, halt, verstehst du oder sozusagen haben eine solche Wirkung. Sie lenken vom Inhalt ab und irritieren die Zuhörer. Der Redner wirkt unbeholfen. „Sag doch nicht dauernd irgendwie“, möchte man den Irgendwie-Sagern zurufen, macht es aber aus Höflichkeit dann doch nicht. Füllwörter schwächen Botschaften und lassen ihre Nutzer unbeholfen aussehen. Kleiner Trost: Die Verzögerungs-Ähms und die Füll-Irgendwies sind kein Schicksal, deuten auch nicht auf tiefe Persönlichkeitsstörungen hin. Oft sind es einfach nur Angewohnheiten, die sich eingeschlichen haben und leicht wieder abtrainieren lassen. Vielen ist nämlich gar nicht bewusst, dass sie sprachliche Marotten benutzen.

Einen vertrauten Menschen, mit dem man es gut meint, darf man deshalb ruhig auf die Angewohnheit hinweisen. Denn nur so kann er überhaupt darauf kommen, dass er sich eventuell lächerlich macht. Vielleicht reagiert er erst einmal eingeschnappt, geht aber dann im stillen Kämmerlein doch in sich. Das Problem ist meist schnell gelöst, wenn zwei Menschen (die sich mögen) verabreden, dass einer den anderen unauffällig anstupst oder ein Zeichen macht, wenn das dritte Irgendwie schon nach zwei Sätzen fällt.

Ansonsten kann auch ein Selbsttest hilfreich sein: Nehmen Sie Ihre Stimme auf, wenn Sie einen Vortrag üben oder einfach etwas erzählen. So kommen überflüssige Füllworte an den Tag. Das Bewusstsein dafür wird geschärft. Und das ist auch schon die halbe Miete. Mit etwas Achtsamkeit kann man die Lückenfüller bei sich selbst zählen. Manche Experten raten auch, sich als Erinnerungsstütze einen Zettel mit unerwünschten Verlegenheits-Wörtern ans Telefon oder an den Bildschirm zu kleben.

Die ganze harte Schule: Ähm und Stopp

Wer sich zusammenreißt, ist anfangs häufig verwirrt, wenn er sich gedanklich auf die Zunge beißen will, um ein Äh zu vermeiden. Statt dessen bieten sich kurze Pausen an, wie Redeprofis sie ganz bewusst einlegen. Nur wer das Sprechen vor Publikum nicht gewohnt ist, fürchtet sich vor kurzen Atempausen und stopft die vermeintliche Leere mit Füllwörtern. Nach dem Bewusstmachen hört man die Ähs, Hms und Halts im Kopf, bevor sie rauskommen, und kann verhindern, dass man sie herauslässt. Dann gilt es, cool zu bleiben und eine kurze Pause auszuhalten.

In vielen Fällen ist die Ähm-Sagerei auch eine Folge falscher Betonung. Jemand möchte etwas erzählen, geht aber am Ende des Satzes nicht mit der Stimme runter. Sein Gegenüber erwartet also, dass er weiterspricht. Weil ihm dann so schnell nichts einfällt, muss er sich Zeit verschaffen, indem er ein langgezogenes Äähhh einschiebt. Eine kurze Pause wäre aber angebracht. Denn dann kann auch der Zuhörer den Inhalt verarbeiten. Gelingen bewusste kurze Pausen, muss man auch automatisch weniger Ähs sagen.

Sich gleichzeitig aufs Thema und aufs Nicht-Ääh-Sagen zu konzentrieren, ist am Anfang schwierig. Ein Trick, um sich beim Reden nicht durch den Ähm-Check ablenken zu lassen, lautet: Sagen Sie das Nerv-Wort möglichst oft, bevor Sie reden müssen – bis Sie es selbst nicht mehr hören können. Wer die ganz harte Schule mag, übt vorm Spiegel und zwingt sich, bei jedem Äh noch mal von vorne anzufangen.

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