Interdentalbürste

Zähneputzen: Wie ich lernte, die Interdentalzahnbürste zu lieben

Blut, Schweiß und Spucke: Wenn das Zahnfleisch weint, helfen Interdentalzahnbürsten

Mein Zahnarzt ging in Rente und hinterließ mich seinem Nachfolger. Und wie das bei einem Generationswechsel so ist, brachte der Neue frischen Wind in die Praxis und in die Münder seiner Kundschaft. Bis dahin war bei mir oberflächlich alles gut. Doch jetzt kam es heraus: Das allein reicht heute nicht mehr. Wer seine „Mundgesundheit“ erhalten und noch länger was vom Leben haben will, braucht eine komische kleine Bürste, die ich noch nie gesehen hatte. Eine sogenannte Interdentalzahnbürste, die so winzig ist, dass man sie in die Zwischenräume der Zähne schieben kann. Dort befinden sich nämlich Brutstätten für Bakterien. Unentdeckte Müllablageplätze für Essensreste. Gefährliche Keimzellen für Krankheiten aller Art.

Der Zahnarzt sagt: „Die Zähne weinen“

Ich wusste davon nichts. Der Neue lächelte. Denn das wusste er bereits. Er konnte es an meinen Zähnen erkennen. Huch, wie das? „Die Zähne weinen“, sagte er und trat den Beweis an. Ich hatte eine Zahnfleischentzündung, die sich wohl durch den ganzen Mund zog. Sobald die kleine Drahtbürste einen Zwischenraum erobert hatte, floss Blut aus dem Zahnfleisch. Unglaublich. Ich guckte in den Beweisspiegel, den er mir hinhielt, und hätte am liebsten zusammen mit meinem Zahnfleisch geheult.

Zu Hause liegt die unbenutzte Zahnseide

Beschämt ließ ich mir fünf Sechserpacks Interdentalzahnbürsten mit „flexiblem Grip“ andrehen und legte sie zu Hause neben die unbenutzte Rolle Zahnseide, die wir nach der strengen Belehrung einer Dentalhygienikerin für die Kinder gekauft hatten, um einen guten Eindruck zu machen. Den machten meine Zähne nicht. Sie fingen sofort wieder an zu bluten, als ich die Bürste selbst ansetzte. Ich murkste herum, probierte es mal von rechts, mal von links, von hinten nach vorne und vorne nach hinten. Mit verzerrtem Gesicht mühte ich mich zwischen Blut, Schweiß und Spucke (eine Tätigkeit, bei der man auf jeden Fall allein im Bad sein sollte) und lernte dabei erstmalig meine Zähne einzeln kennen. Deren Anblick fand ich bis dahin nie interessant genug, um ihn mir anzutun. Doch jetzt hatte ich ein Ziel: Meine Zwischenräume sollen nicht mehr heulen. Wenn ich zwei Wochen durchhalte, wären sie geheilt, hatte der Zahnarzt versprochen.

Die feinmotorischen Fähigkeiten verbessern

Tatsächlich wurde das Blut weniger. Nach einer Woche weinten nur noch die Zwischenräume, die ich schlecht erreichen konnte. Jetzt wollte ich es wissen und griff zur Zahnseide, die sich in den Tiefen meines Mundes auch in die letzten Lücken ziehen ließ. Noch zwei Wochen – und ich hatte meine feinmotorische Technik so verbessert, dass der Bürstentanz wie von alleine lief. Jetzt haben die Interdentalbürsten-Hersteller mich als Kunden fürs Leben.

Foto: Albert

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