Gewohnheiten verändern

Gewohnheiten verändern: Der Zauber eines Neuanfangs

Wenn wir oft etwas Neues tun, fühlt sich das Leben länger an. Also raus aus dem Alltagstrott

Den Zauber eines Neuanfangs erleben? „Ach, das ist schon so lange her“, lautet ein Stoßseufzer, der mit zunehmendem Alter immer öfter zu hören ist. Warum sehnen wir uns dann in die Zeit zurück, in der wir jung waren? Damals war alles aufregender. Es war mehr los, wir haben das Gefühl, mehr erlebt zu haben. Wir wissen zwar, dass längst nicht alles toll war, aber beim Blick zurück erscheint es plötzlich so. Vor allem die ersten Jahre des Erwachsenseins hatten es in sich. Die Zeit zwischen 15 und 25 leuchtet rückwirkend. Die erste große Liebe. Die erste Reise ohne Eltern. Die erste eigene Wohnung. Was waren Bücher damals noch spannend, Menschen interessant, Jobs aufregend und Reisen eine Offenbarung.

Neue Erlebnisse tun auch später gut

Kein Wunder. Die Erklärung dafür ist verständlich: In dieser Zeit passierten ganz viele Dinge zum ersten Mal. Die sind unwiederbringlich, und es hilft im späteren Leben nicht, ihnen wehmütig nachzuhängen. Erste Male haben den Zauber eines Neuanfangs und bleiben als außergewöhnliche Erfahrungen mit großen Emotionen im Gedächtnis. Das lässt sich zwar nicht wiederholen, wir können aber trotzdem davon profitieren. Nämlich indem wir erkennen, dass neue Erlebnisse uns rundum gut tun. Je mehr erstmalige Erfahrungen wir auch in der zweiten Lebenshälfte noch machen dürfen, desto jünger fühlen wir uns. Es ist tatsächlich möglich, die gefühlte Lebenszeit zu verlängern, indem wir öfters mal Gewohnheiten verändern, etwas ganz anderes machen als sonst oder Neues lernen.

Persönliche Premieren: Reisen, Kultur, Neugier

Ganz besonders merken wir das auf Reisen. Ein anderes Land, eine fremde Sprache, ungewöhnliche Farben und Gerüche, jeden Tag ein Erlebnis – die Woche fliegt nur so dahin und im Nachhinein fühlt sie sich an wie eine kleine Ewigkeit, während sieben Tage zu Hause einfach so vorüberziehen. Es wird natürlich mit jedem Lebensjahr schwieriger, eine persönliche Premiere zu erleben. Vieles wiederholt sich zwangsläufig. Das einst Magische schwindet, weil unser Gedächtnis ähnliche Dinge einfach zusammenfasst. Da heißt es dann: „Je älter ich werde, desto schneller vergeht die Zeit.“ Oder: „Wahnsinn, schon wieder ein Jahr um und ich habe nichts davon gemerkt.“ Vor allem die Dinge, die ohne große Gefühle wie nebenbei abgearbeitet werden, versinken in der Masse unauffälliger Tage. Was hilft? Viele Reisen machen (die übrigens nicht lang und teuer sein müssen), den Horizont erweitern (mal in die Oper), einen neuen Sport ausprobieren, mit fremden Menschen ins Gespräch kommen, zu Veranstaltungen gehen, zu denen man sonst nie gehen würde. Ein Stadtviertel in der eigenen Stadt aufsuchen, in das es einen sonst nicht verschlagen würde. Mal woanders einkaufen. Neue Rezepte ausprobieren. Und immer neugierig bleiben.

 

Foto: Albert

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