Bandscheibenvorfall: Weniger Risiken bei Operationen

Dr. Munther Sabarini über Bandscheiben aus dem Labor und Bewegung statt Bettruhe

Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall und wie wird er am besten behandelt? Der Neurochirurg und Gründer der Avicenna Klinik in Berlin, Dr. Munther Sabarini, beantwortet die wichtigsten Fragen:

Ein Bandscheibenvorfall tut weh – was ist passiert?

Der Mensch hat 23 Bandscheiben. Jede von ihnen besteht aus einem Faserring und einem darin enthaltenen Gallertkern. Tritt dieser Kern aus seinem Ring aus, kann er auf umliegende Nerven drücken, was bei den Betroffenen in vielen Fällen zu starken Schmerzen führt. Besonders häufig tritt ein solcher Bandscheibenvorfall an der Hals- oder der Lendenwirbelsäule auf, wo die Belastung der Wirbelsäule am größten ist. Zu den Risikofaktoren zählen Übergewicht, mangelnde Bewegung und fortschreitendes Alter. Denn mit den Jahren verliert die Bandscheibe ihre Elastizität und der Faserring wird porös. So steigt die Gefahr für einen Faserriss und den Austritt des Gallertkerns.

Muss ein Bandscheibenvorfall gleich operiert werden?

Nein, zunächst empfiehlt sich eine medikamentöse Behandlung und Physiotherapie nach Absprache mit dem Arzt. Erst wenn das keine Besserung bringt, sollten sich Betroffene über Alternativen wie minimalinvasive Methoden informieren. Treten jedoch Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen auf, sollten die Betroffenen sofort Kontakt zu einem Arzt aufzunehmen, um langfristige Nervenschäden zu vermeiden.

Wie hat sich die Forschung in den letzten Jahren verändert?

Der Stand der Technik und die Herangehensweise haben sich deutlich gewandelt. Früher gingen Ärzte davon aus, dass Ruhe und wenig Bewegung zur Linderung der Schmerzen beiträgt. Heute wissen wir, dass das Gegenteil der Fall ist: Eine Kräftigung der Rückenmuskulatur stabilisiert die Wirbelsäule und versorgt gleichzeitig die Bandscheiben mit Flüssigkeit und Nährstoffen.

Wie sieht es bei Operationen aus?

Auch da arbeiteten Ärzte in der Vergangenheit anders. Sie setzten große Schnitte am Rücken und entfernten so gut wie immer die gesamte Bandscheibe. Wie bei jeder anderen Operation war das mit Risiken wie Infektionen, Wundheilungsstörungen und Ähnlichem verbunden. Bei Komplikationen kann der Einsatz eines Bandscheiben-Implantats dazu führen, dass der Patient sich nur noch eingeschränkt bewegen kann. Heutige Methoden sind weniger aufwendig und erfordern nur einen kleinen Einschnitt, um ausschließlich den hervortretenden Kern zu entfernen. Dies führt zu einer deutlich kürzeren Genesungszeit und birgt weniger Risiken.

Wie lässt sich ein Rückfall verhindern?

Bis vor Kurzem ließen Ärzte die Austrittsstelle des Gallertkerns unverschlossen. Das begünstigt jedoch Rückälle. Um das Risiko zu mindern, gibt es daher inzwischen die Möglichkeit, eine Nahttechnik anzuwenden, die den Faserring intraoperativ mit einem Spezialfaden schließt. Eine andere Methode ist das Schließen der Austrittstelle durch Titanstopfen, die sich jedoch lockern oder verschieben können. Ein Vorteil der Fadenmethode besteht darin, dass man das per MRT kontrollieren kann, ohne dass Schatten durch Titan-Elemente entstehen. Erfahrene Operateure benötigen für den Eingriff lediglich fünf bis fünfzehn Minuten. Ein kleiner Aufwand also, der jedoch eine große Wirkung für die Patienten hat.

Gibt es bereits Bandscheiben aus dem Labor?

„Ja, bei der Bandscheibenzellzüchtung entnimmt der behandelnde Arzt gesunde Zellen aus dem Bandscheibengewebe. Anschließend werden diese im Labor vermehrt und wenig später wieder in den Bandscheibenkern eingefügt. Da es sich um körpereigene Zellen handelt, stößt der Körper das neu gewonnene Gewebe nicht so schnell ab und die Erfolgsquote ist sehr hoch. Durch diese neuartige Methode findet eine Entlastung der Bandscheibe statt und der Aufbau von Volumen und Elastizität schreitet schnell voran, sodass die Bandscheibe bereits nach kürzester Zeit wieder als Stoßdämpfer fungieren kann.

Mehr Informationen unter www.avicenna-klinik.de.

Foto: Albert

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