Weihnachten mit getrennten Eltern

Weihnachten mit getrennten Eltern: Bleibt Papa jetzt hier?

Sollen Expartner zum Fest heile Familie spielen, damit die Kinder nicht leiden? Experten raten ab

Die Trennung war ein Albtraum für Marie. Mama und Papa hatten alles lange vorbereitet. Für die Erwachsenen war klar, dass es keine gemeinsame Zukunft als Kleinfamilie geben würde. Es ging einfach nicht mehr. Doch beide hatten Angst, die fünfjährige Tochter in die Trennungspläne einzuweihen. Also stellten sie ihr Kind vor vollendete Tatsachen. Im Oktober erfuhr das Mädchen: „Papa zieht zum ersten November aus. Er hat schon eine neue Wohnung mit kleinem Kinderzimmer für dich. Du kannst ihn besuchen. Er wird nicht aus deinem Leben verschwinden.“

Am Heilig Abend über den eigenen Schatten springen?

Marie weinte nicht, wie befürchtet. Es kam schlimmer. Das Kind erstarrte regelrecht, sprach kaum noch und hatte große Mühe, mit dem neuen Patchwork-Leben zurechtzukommen – obwohl die Eltern sich um sie bemühten, in ihrer Gegenwart nicht schlecht über den anderen sprachen, der Tochter Wahlfreiheiten ließen und die Alltagsorganisation ohne Klagen bewältigten. Nach dem Anfangsschock ging es Marie nach ein paar Wochen zunehmend besser. Die Eltern waren erleichtert, bis die Weihnachtsplanung losging. Wie sollten sie feiern? Am Heilig Abend über den eigenen Schatten springen, gemeinsam Tannenbaum und Geschenke organisieren und für Marie so tun, als wäre nichts gewesen?

Glückliche Kleinfamilie spielen? Die Erziehungsberatung rät ab

Diese Frage stellen sich getrennte Paare immer wieder. Solange es noch keine Patchwork-Routine gibt, müssen neue Traditionen entwickelt werden. Weder Maries Mutter noch ihr Vater hatten im ersten Jahr nach der Trennung neue Partner. Was lag da näher, als dem Kind zuliebe heile Familienwelt zu spielen? Maries Mutter wandte sich an eine Erziehungsberatungsstelle. Dort riet man ihr davon ab. Mit gutem Grund: Wenn Erwachsene plötzlich so tun, als habe es keine Trennung gegeben und eine Zeitlang wieder gemeinsam Dinge machen wie früher, spielen sie ihrem Nachwuchs eine Pseudo-Welt vor, die dem Kind eher weh- als guttut. Denn die Enttäuschung nach den Feiertagen ist vorprogrammiert. Marie, die überwiegend bei ihrer Mutter lebt, würde ein paar Tage lang davon ausgehen, dass Papa jetzt wiedergekommen ist und für immer bleibt.

Weihnachten bitte keine falschen Hoffnungen wecken

Je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist für sie ein fester Rahmen, der ihnen sichere Orientierung gibt. Die Tatsache, dass das Familienglück nur übergangsweise ist, weckt falsche Hoffnungen. Die Kinder freuen sich zwar, weil sie glauben, dass Mama und Papa jetzt wieder ein Paar sind. Doch wenn ein Partner abends wieder geht, ist die Ernüchterung umso schlimmer. Die Kinder bleiben verunsichert zurück – was vor allem dann schlimm ist, wenn sie gerade angefangen haben, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Welche Alternativen sind besser? Nach Ansicht von Erziehungsexperten sollten Kinder den Heiligen Abend mit dem Elternteil verbringen, bei dem sie auch sonst überwiegend leben. Den ersten oder zweiten Weihnachtstag können sie dann beim Expartner verbringen und dort noch einmal feiern. Eine solche Lösung ist ehrlicher und hilft den Kindern, langfristig eine neue Form des Weihnachtsglücks zu finden.

Foto: Albert

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