Stress bei Kindern

Die verplante Kindheit: Vorsicht vor Stress bei Kindern

Auch wenn Eltern es nur gut meinen: Zu hohe Erwartungen machen Kinder krank

Wenn Janina (9) nachmittags nach Hause kommt, hat sie schon einen Acht-Stunden-Tag hinter sich. Morgens Schule, mittags Hort und Hausaufgaben, danach geht die Viertklässlerin entweder zum Logopäden, zur Mathe-Nachhilfe, zum Hockey oder in den Computerkurs für Kids. Janinas Eltern wollen nur das Beste für ihre Tochter: Sie soll in der Klasse nicht wegen ihres Lispelns geärgert werden, braucht die Nachhilfe, um eine Zwei in Mathe und die Empfehlung fürs Gymnasium zu bekommen, und ihre Eltern sind der Meinung, dass es nicht schadet, wenn sie rechtzeitig lernt, sich sinnvoll mit dem PC zu beschäftigen. Bei diesem Programm ist ein Ausgleich wichtig: Janina soll sich bewegen und abreagieren. Deshalb trainiert sie regelmäßig Hockey.

Alles ist gut, aber zusammen zu viel

Alle Argumente leuchten ein, alles erscheint gut für die Entwicklung eines Kindes. Doch alles zusammen kann auch zuviel sein. Abends nämlich, wenn Janinas Eltern von der Arbeit kommen, herrscht keineswegs Ruhe und Frieden zu Hause. Alle Familienmitglieder sind erschöpft, die Eltern mit den Hausaufgaben unzufrieden, die Janina im Hort lustlos hingekritzelt hat. Janina ist bockig und wütend. Ihre Mutter verliert die Nerven und schimpft. Seit kurzem hat Janina noch mehr Termine: Sie ist wegen Bauchschmerzen und Schlafstörungen in Behandlung – beim Kinderarzt und beim Psychologen. Die Diagnose klingt einfach: Stress.

Grenze zwischen Fördern und Überfordern

Doch Janinas Eltern fragen sich: Gibt es das bei Kindern überhaupt? Andere schaffen das doch auch, ohne davon krank zu werden. Das mag stimmen, doch das, was fördert, und das, was überfordert, das ist keinesfalls bei jedem Kind gleich. Die Zahlen über Stress bei Schülern sind alarmierend. Die Kindheit ist heute selten unbeschwert. Laut einer Studie der DAK leidet fast jeder zweite Schüler (43 Prozent) unter Schulstress. Manche Kinder reagieren mit Kopf- oder Bauchschmerzen, andere werden vorm Mathetest krank oder können nachts nicht mehr richtig schlafen.

Der Computer ist kein Spielkamerad

Über die Ursachen kann nur spekuliert werden. Experten vermuten, dass mehrere Faktoren zusammenkommen. Die Macht der Medien: Die Kinder von heute zieht es geradezu magisch an den PC. Was sie dort spielen, macht ihnen Spaß, sagen sie. Da fällt es Eltern schwer, genau das zeitlich zu begrenzen, was die Kinder fasziniert. Doch der Computer ist kein echter Spielkamerad. Kinder stürzen sich in die Reizüberflutung, ohne es zu merken. Wenn sie sich nach der Schule direkt vor den Bildschirm hocken, gibt es in ihrem Alltag keinen Wechsel mehr zwischen An- und Entspannung.

Hohe Erwartungen an die Kinder

Auch hohe Erwartungen, die Eltern in ihre Kinder setzen, machen den Kleinen zu schaffen: Kinder sollen heute im Durchschnitt immer höhere Bildungsziele erreichen, um damit die Chance auf einen guten Arbeitsplatz zu verbessern. Zunehmender Leistungsdruck im Job, die Angst vor Arbeitslosigkeit, der Anspruch, als Eltern perfekt zu funktionieren, immer mehr Trennungen – auch Erwachsene fühlen sich häufig gestresst und übertragen das auf die Kinder. Stichworte wie „Bildungsnotstand“ machen Eltern Angst, sie könnten etwas versäumen, wenn ihr Kind nicht ständig gefordert ist.

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