Streit unter Nachbarn

Streit unter Nachbarn: Immer wieder Zoff am Zaun

Äste, Zigaretten, Sexgeräusche – fast die Hälfte aller Deutschen ist von den Nachbarn genervt

Der eine hämmert, buddelt und sägt ständig in seinem Garten herum. Der andere raucht auf der Terrasse, sodass es dem Nachbarn stinkt. Der Nächste fragt sich, warum die Bewohner der Wohnung über ihm offenbar jeden Abend ihre Möbel verschieben. Manchmal sind es auch nur 2,5 Zentimeter lange Äste, die über den Zaun ragen und für Streit unter Nachbarn sorgen. Fast die Hälfte aller Deutschen sind von Leuten aus der Nachbarschaft genervt. Fast jeder dritte ist in Streitereien verwickelt, wie Forscher herausfanden. 11 Prozent ziehen deshalb vor Gericht, 12 Prozent lieber gleich aus.

Streit unter Nachbarn hat häufig irrationale Züge

Wenn es um das eigene Zuhause geht, sind die Deutschen offenbar sehr streitlustig. Echte oder vermeintliche Grenzverletzungen haben Konsequenzen – häufig scheinbar irrationale. Expertenschätzungen zufolge müssen sich deutsche Gerichte mehr als eine halbe Million mal im Jahr im zerstrittenen Nachbarn befassen. Dabei ist manchmal auch Gewalt im Spiel. Einer schlägt dem anderen ein Loch in die Tür, weil die Musik nervt. Ein Mann schleudert Steine auf seine Nachbarn. Ein anderer wirft im Treppenhaus einen Putzeimer auf den Kopf der Nachbarin, weil er meint, dass die nicht ordentlich putzt. Hin und wieder endet der Zoff am Zaun mit Polizeieinsätzen; manchmal muss sogar das SEK kommen. In Australien machte ein wütender Baggerfahrer kurzerhand das Haus seines Anrainers platt.

Nachbarn streiten um Geräusche, Gerüche, Gemeinschaft

Worum geht‘s? Statistisch gesehen vor allem um Geräusche, Gerüche, Gemeinschaftsaufgaben und Grenzverletzungen. Ob aus dem Schlafzimmer, beim Fernsehen, Musik hören, Heimwerken, Rasenmähen oder Renovieren – an erster Stelle steht Lärm. Auch beim Schneeräumen, Treppenhaus reinigen, Parken oder Müll entsorgen legen Nachbarn sich gerne an. Wenn‘s beim Grillen oder Rauchen stinkt, ist Krach vorprogrammiert. Ebenfalls nervend: schreiende Kinder oder kläffende Hunde. Dabei ist fast alles eindeutig geregelt. Man muss sich nur daran halten. So schreibt zum Beispiel die Hausordnung Ruhezeiten vor, die einzuhalten sind. Das gilt für alle – außer für kleine Kinder. Deren Lärm müssen Nachbarn akzeptieren. Wachsen Äste von Nachbars Bäumen so aufs eigene Grundstück, dass sie jemanden beeinträchtigen, darf man die Bewohner von nebenan ruhig ansprechen. Einfach abschneiden ist erst erlaubt, wenn der Nachbar darauf hingewiesen wurde und nach Ablauf einer angemessenen Frist nicht reagiert. Ob Grillen, Hundegebell oder Falschparken – hier gibt es Ermessensspielräume oder Vermietervorschriften. Niemand muss sofort vor Gericht ziehen, sondern sollte es erst einmal mit einem Gespräch versuchen. Häufig wissen Nachbarn nämlich gar nicht, dass andere sich von ihnen gestört fühlen.

Streit unter Nachbarn kostet vor allem Nerven und oft viel Geld

Wer Wert auf ein gutes Verhältnis zu den Leuten aus der eigenen Umgebung legt, muss sich natürlich erst einmal selbst rücksichtsvoll verhalten. Ein persönliches Gespräch sollte man freundlich suchen und sachlich – ohne gleich Vorwürfe zu erheben – sagen, was man gerne anders hätte. Gut sind dabei Vorschläge („ich helfe beim Entsorgen der Äste“) statt Hinweise auf Gesetze oder den Anwalt. Das verhärtet die Fronten nur. Auch Ankündigungen („wir renovieren nächste Woche und halten uns dabei an die Ruhezeiten der Hausordnung“) nehmen genervten Nachbarn Wind aus den Segeln. Die Idee, mit gleicher Münze zurückzuschlagen, führt vor allem dazu, dass die Konflikte sich hochschaukeln, Nerven und vielleicht viel Geld kosten. Am Ende eines teuren Prozesses ist meist nicht viel gewonnen. Der Verlierer wird Rache schwören, und der Streit geht gleich weiter. Ein neuer Anlass findet sich erfahrungsgemäß schnell. Ein Verlust an Lebensqualität ist fast garantiert.

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