Warum eine To-do-Liste glücklich und erfolgreich macht

Immer auf Achse, aber nichts geschafft? Das ist super nervend. Eine To-do-Liste hilft

Verlorene Tage beginnen mit guten Vorsätzen und enden im Nichts. Je mehr ich will, desto schlimmer wird der Absturz. Zeitig aufstehen. Ein Tagespensum absolvieren, das Spuren des Erfolges hinterlässt. Lästiges Zeug wegschaffen. Ohne Ablenkung etwas Schwieriges zustande bringen. Danach ein paar Mails abarbeiten und Anrufe erledigen. Guten Gewissens Pause machen, den Altkleidersack wegbringen, das Fotobuch vom letzten Urlaub gestalten. So die Theorie. Leider schreien die Dinge mich nicht an. Niemand gibt mir vor, was zuerst gemacht werden muss. Also lasse ich mich treiben. Gehe im Internet verloren. Klicke sinnlos herum und merke, wie das schlechte Gewissen mich in Stress versetzt.

Aufschreiben entlastet das Gehirn

Der Tag zieht sich dahin. Ich fange etwas an, höre wieder auf, weil etwas vermeintlich Wichtigeres kommt. Geht die Arbeitszeit dem Ende zu, ist die Bilanz ernüchternd. Jetzt darf bloß keiner nachfragen, was ich heute geschafft habe. Denn das ist besonders schlimm nach verlorenen Tagen. Mir ist ein guter Vorsatz nach dem anderen abhanden gekommen, nichts ist richtig fertig. Ich fühle mich überfordert, obwohl ich nichts Nennenswertes geleistet habe. Und das Schlimmste: Ich weiß, dass ich selber schuld bin. Warum stehe ich auch mit solchen Erwartungen auf? Ich müsste einfach ein bisschen runterschrauben. Dann kann es nur besser werden. To-do-Listen sollen dabei helfen, sagen Organisations-Experten. Hm? Soll ich auch noch aufschreiben, was ich alles nicht schaffe? Nein, genau das Gegenteil, ich soll alles notieren, was ich gemacht habe. Zwecks Hirnentlastung.

Hilflosigkeit, Resignation, Vergessen

Unser Gehirn ist nämlich fix und fertig, wenn es dauernd etwas tun soll, das nicht klar definiert ist. Statt zu erledigen, was ich von ihm verlange, sucht es einen anderen Weg, weil ich ja schon wieder etwas Neues will, bevor das Alte überhaupt abgeschlossen ist. Sage ich „Wir schreiben jetzt die schwierige Mail“, komme dann aber doch nicht die Hufe, speichert das Hirn das ab und ist bald ziemlich voll, weil ich ja immer wieder ungelöste Fälle drauf packe. Bis das sonst so schlaue Oberstübchen sich nicht mehr zu helfen weiß und resigniert, indem es vergisst. Was mich nicht erleichtert, sondern erst recht beunruhigt.

Raus aus dem Kopf, rauf auf die To-do-Liste

Die Gedanken fahren Achterbahn. Immer mehr Unerledigtes geistert im Kopf herum und muss dringend raus, damit ich wieder durchatmen kann. Raus aus dem Kopf heißt in diesem Fall rauf auf die Liste. Das ist die Rettung. Ich notiere also erst einmal, was zu tun ist. Und zwar möglichst in kleinen Schritten. Die schaffen schneller Erfolgserlebnisse. Fotobuch erstellen ist nicht etwa ein einziger Vorgang. Ich darf schon einen Haken machen, wenn ich zehn gute Fotos aus der Ablage geholt habe. Bis das Ding fertig ist, werde ich zwanzig Erfolgshäkchen gesetzt haben. Jeden Tag einen. Das tut gar nicht weh.

Laut To-do-Liste noch Kapazitäten frei

Plötzlich merke ich, was ich alles schaffe, auch wenn ich das Gefühl habe, nichts zu schaffen. Das motiviert so, dass ich den Anruf beim Zahnarzt noch schnell einschiebe, obwohl der noch zwei Tage Zeit hätte. Schon am Mittag habe ich zehn Erfolgserlebnisse. Und tatsächlich: Ich erkenne auf meiner Liste, dass ich noch Kapazität frei habe. Wahnsinn. Also erst einmal einen Kaffee (mit gutem Gewissen!), dann an den Computer. Ohne Ablenkung und Eigentlich-müsste-ich-ja-jetzt-Zeug. Es fluppt. Den Altkleidersack streiche ich für heute und lege ihn auf der Halbjahres-Liste ab. Dort liegt es gut und stört mich nicht mehr. Für heute bin ich zufrieden, obwohl der Tag verlaufen ist wie die meisten anderen. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive. Oder der richtigen To-do-Liste.

Foto: Albert

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