Heftige Bauchschmerzen: Ist es der Blinddarm?

Schmerzen, Fieber, Übelkeit – bei Verdacht auf Blinddarmentzündung muss man schnell zum Arzt

Die heftigen Schmerzen kommen meistens ganz plötzlich. Sie treten zuerst im Bereich oberhalb des Bauchnabels auf und verlagern sich dann in den rechten Unterbauch. Häufig kommt Übelkeit, Fieber oder Erbrechen dazu. Haben Betroffene den Verdacht auf eine Blinddarmentzündung (medizinisch Appendizitis), sollten sie so schnell wie möglich zum Arzt, sagt Dr. Thomas Wilhelm, Chefarzt der Allgemein-, Gefäß- und Visceralchirurgie am St. Vinzenz-Hospital in Köln. Meist lässt sich eine Appendizitis schnell und unkompliziert diagnostizieren und behandeln. „Unbehandelt können allerdings lebensbedrohliche Folgen auftreten“, warnt der Mediziner.

Drei Druckpunkte im Bauchbereich

Nach einer ausführlichen Anamnese tastet der Arzt die Betroffenen ab. Es gibt drei charakteristische Druckpunkte im Bauchbereich, durch die sich die Schmerzen bei einer Blinddarmentzündung provozieren lassen: den McBurney-Punkt, den Lanz-Punkt und den Blumberg-Punkt. „Je nach Stelle reagieren Patienten entweder auf Druck oder spüren einen sogenannten Loslass-Schmerz“, erklärt Dr. Wilhelm. Bei Frauen muss zusätzlich eine gynäkologische Ursache ausgeschlossen werden. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder seltener eine Computertomografie machen den entzündeten Blinddarm sichtbar – ein gesundes Organ ist auf solchen Bildern meist nicht darstellbar. Die einzig eindeutige Diagnosemöglichkeit ist aber eine Bauchspiegelung.

Darmerkrankung häufig bei Jüngeren

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 80 000 Blinddarmentzündungen diagnostiziert. Damit ist die Appendizitis die häufigste Darmerkrankung. Sie tritt vor allem bei Jüngeren unter 30 auf. Eine wirksame Vorbeugung gibt es nicht, aber bewusste Ernährung und ausreichend Bewegung unterstützen zumindest den Darm und verhindern Verstopfungen. Die Bezeichnung Blinddarmentzündung ist übrigens irreführend. Tatsächlich ist nicht der Blinddarm betroffen, sondern nur sein circa sieben Zentimeter langes Anhängsel, der sogenannte Wurmfortsatz (Appendix). Die Ursache ist meistens eine Verstopfung des Wurmfortsatzes, durch die sich ein Sekret bildet, das Bakterien einen optimalen Nährboden liefert.

Der Blinddarm ist nicht überflüssig

Der Blinddarm selbst befindet sich am Anfang des Dickdarms und ist keineswegs überflüssig, wie es oft angenommen wird. Er hat mehrere Funktionen. Als Verbindung zwischen Dünn- und Dickdarm transportiert er Speisebrei und verhindert gleichzeitig mit einer Klappe, die sich nur in eine Richtung öffnet, dass verdaute Nahrung zurückfließen kann. Außerdem speichern der Blinddarm und sein Wurmfortsatz Darmflora, die sie – beispielsweise nach einer Durchfallerkrankung – an den restlichen Darm weitergeben. Zu guter Letzt ist der Blinddarm Teil des Immunsystems. Er bildet Abwehrzellen, sobald Bakterien in den Körper gelangen.

Vorsicht vor lebensbedrohliche Folgen

Bei einer Entzündung ermittelt der Arzt zunächst den Schweregrad. Manchmal reicht schon leichte Kost, Ruhe und viel Tee trinken. Sind die Beschwerden schwerwiegender, lässt sich eine Operation oftmals nicht vermeiden. Grundsätzlich kann der Arzt es zwar mit Antibiotika versuchen, doch das ist in vielen Fällen nicht erfolgreich. „Bei einer akuten Entzündung muss der Wurmfortsatz möglichst schnell entfernt werden, da sonst das Risiko eines Blinddarmdurchbruchs steigt. Platzt der Appendix auf, gelangt der Darminhalt ungehindert in den Bauchraum, mit teilweise lebensbedrohlichen Folgen“, warnt Dr. Wilhelm. Es gibt zwei gängige Operationsmethoden. Im Fall einer offenen Operation nehmen Fachärzte einen klassischen Bauchschnitt vor. Immer verbreiteter ist aber die sogenannte operative Bauchspiegeleung. Bei dieser minimalinvasiven OP werden die Operationsinstrumente durch kleinste Schnitte in den Bauchraum geführt.

Weitere Informationen unter www.vinzenz-hospital.de

Foto: Albert

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