Heulen, Tränen, Weinen

Gesundes Schluchzen: Heul doch mal wieder!

Weinen tut gut. Tränen sind Balsam für die Seele, heißt es. Doch das gilt nicht immer

Weinen, Tränen, Heulen? Schon in der Schule haben wir erfahren: Wer traurige Gefühle zeigt, wird ausgelacht. Besser tapfer sein. Kummer in sich hineinfressen. Die Tränen unterdrücken. Bloß nicht losheulen. Emotionen zu zeigen, macht verletzlich. Schade eigentlich, denn Tränen sind ganz natürlich und können viel bewirken. Andere sehen, was in uns vorgeht. Das ist keineswegs schlecht — solange es nicht im Beruf passiert. Vor allem in überwiegend männlich und analytisch geprägten Branchen gelten Tränen als Gesichtsverlust. Auch wenn Authentizität und Empathie angeblich willkommen sind, steht Schluchzen nicht für Professionalität. Bei Führungskräften kommt Weinen nicht gut an. Dennoch müssen die Emotionen raus — nur nicht sofort. Im Büro sollte man sich zurücknehmen, aber nach Feierabend in der Familie oder bei Freunden dürfen Tränen kullern. Weinen stellt Nähe her und kann sehr viel ausdrücken: Freude, Trauer, Wut, Rührung, Schmerzen, Unglück. Und es ist gesund: Mit den Tränen werden Hormone und Salze ausgeschüttet.

Schmerzstillende Stoffe sorgen für Besserung

Darin sind morphiumähnliche Stoffe mit schmerzstillender Wirkung enthalten, die auch ins Blut gehen. Sie sorgen dafür, dass es einem danach besser geht. Das macht biologisch Sinn. Bei kleinen Kindern, denen das Weinen noch nicht abgewöhnt wurde, ist es gut zu sehen. Wenn sie sich verletzten, brüllen sie erst einmal los, vergießen Tränen und lindern dabei den Schmerz. Außerdem haben Tränen eine Schutzfunktion: Kommt etwas ins Auge, „beißt“ eine Zwiebel oder ein anderer scharfer Geruch, spülen Tränen das Auge sauber.

Wer seine Tränen zeigt, braucht Trost

Doch nicht jedes Problem löst sich, nur weil Tränen fließen. In Studien kam heraus, dass Extrovertierte sich tatsächlich besser fühlen, wenn sie sich einmal ausgeheult haben. Wer sich mit seinem Kummer aber eher zurückzieht, merkt wenig Erleichterung. Es sei denn, er ist nicht allein. Sobald jemand anders die Tränen erkennt und tröstet, steigt die Stimmung. Es ist wie ein Aufruf: „Bitte kümmert euch um mich.“ Zum Trösten reicht übrigens eine Person. Wer vor größeren Gruppen weint, schämt sich meist dabei und empfindet seine Tränen als unangenehm.

Wussten Sie, dass …

… Frauen wärmer weinen? Ihre Tränen haben eine um ein halbes Grad höhere Temperatur.

… am meisten abends zu Hause zwischen 18 und 22 Uhr geheult wird?

… Männer im Durchschnitt gar nicht bis einmal, Frauen zwei- bis dreimal pro Monat in Tränen ausbrechen?

… Weinen vor Freude ein seltenes Erlebnis ist. Nur 9,5 Prozent aller Tränen fließen aus einem positiven Anlass.

Foto: Albert

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