Bettwanzen bekämpfen

Winzige Vampire: Bettwanzen erkennen und bekämpfen

Sie kommen auf Reisen ins Bett und sind schwer loszuwerden – Was Sie über Wanzen wissen sollten

Die kleinen Parasiten sind der Albtraum aller Urlauber. Sie kommen nachts aus ihren Ritzen, krabbeln durchs Bett, steuern zielsicher zu schlafenden Menschen (oder anderen warmblütigen Lebewesen) und beißen, wenn sie eine Stelle zum Blutsaugen gefunden haben. Treffen sie dabei nicht sofort ein Blutgefäß, versuchen sie es ein Stück weiter erneut. Damit ihre Opfer nicht aufwachen, betäuben die Krabbeltiere die Haut an der Einstichstelle. So effektiv gehen sie vor, die sogenannten Gemeinen Bettwanzen, die bis heute in Schlaf- und Hotelzimmern ihr Unwesen treiben.

Die Wanzen reisen in Koffern um die Welt

Zwar galten die Insekten mit Saugrüssel schon mal als fast ausgerottet, seit einigen Jahren sollen sie sich aber nach Angaben des Umweltbundesamtes auch in Deutschland wieder ausbreiten. Das liegt vor allem daran, dass wir global reisen und mit gebrauchten Dingen handeln. Wenn wir zum Beispiel um die Welt fliegen, gehen die winzigen Vampire häufig mit auf Tour, indem sie sich im Gepäck verstecken. Oder sie wechseln in einem gebrauchten Polsterbett und anderen Gegenständen über Online-Plattformen die Besitzer. Bei der Bekämpfung kommt erschwerend hinzu, dass die Quälgeister zunehmend gegen Insektenbekämpfungsmittel resistent werden.

Bisse können sehr unterschiedlich aussehen

Wer davon nichts weiß, merkt meist erst nach Übernachtungen in verwanzten Betten, dass er Bekanntschaft mit den Blutsaugern gemacht hat. Direkt danach oder auch erst ein paar Tage später zeigen sich Bisse, die sehr unterschiedlich aussehen können. Manchmal ähneln sie Mückenstichen, bilden aber eine auffällige Reihe, die sogenannte Wanzenstraße, oder eine Gruppe von Bissen, die bei mehreren Einstichversuchen entsteht. Es können aber auch Blasen oder Quaddeln auftreten. Verschiedene Formen von Bettwanzenbissen sehen Sie hier:

 

Die Bettwanzenbisse sind lästig, aber harmlos

Manche Menschen merken nichts davon, andere leiden unter starkem Juckreiz. Die Bisse sind zwar lästig, aber harmlos. Ohne Behandlung klingen sie in der Regel nach zehn Tagen vollständig ab. Anders als zum Beispiel bei Zecken ist es bisher noch nicht bekannt geworden, dass Bettwanzen Krankheiten übertragen, obwohl sie theoretisch in der Lage dazu wären. Allerdings kann es zu Infektionen kommen, wenn man die Haut aufkratzt. Bei allergischen Reaktionen hilft Kortisonsalbe. Gegen die seelischen Schmerzen ist allerdings kaum ein Kraut gewachsen. Manch einer schläft bei dem Gedanken an nächtliche Wanzenbesuche im eigenen Bett kaum noch. Da ist es naheliegend, dass Ängste, Ekel oder Panik aufkommen.

Wer aufmerksam sucht, wird fündig

BettwanzeIst eine Wanze erst einmal im eigenen Bett gelandet und hat dort womöglich ihre Eier gelegt, wird die Bekämpfung sehr schwierig und aufwendig. Bis es soweit kommt, kann man aber einiges tun, um genau das zu verhindern. Zunächst einmal sind die Krabbler für aufmerksame Augen relativ leicht zu erkennen. Sie sind ein paar Millimeter groß, haben keine Flügel und einen braun-rötlichen flunderflachen Körper. Bei der Nahrungssuche laufen sie – fast nur nachts – auf dem Bett oder an der Wand herum; tagsüber bleiben sie meist in ihren Verstecken, gerne in Bettritzen, Lattenrosten, unter der Tapete, hinter Wandverkleidungen, Bilderrahmen oder Lichtschaltern. Dort hinterlassen sie kleine, schwarze Kotspuren und hellere Hüllen, die bei der Häutung der Larven entstehen. Winzige Blutflecken auf der Bettwäsche können ebenfalls Hinweise sein.

Auf Reisen sofort das Zimmer wechseln

Ein Weibchen produziert in seiner Lebenszeit bis zu 150 Eier, die es möglichst nah am Blutwirt unterbringt und festklebt. Ob in Hotels, Hostels, Hütten, Ferienwohnungen oder anderen Gemeinschaftsunterkünften – Bettwanzen kommen meist da vor, wo häufig die Bewohner wechseln. Sie sind kein Zeichen für mangelnde Hygiene. Man kann aber davon ausgehen, dass Betreiber von Unterkünften, in denen streng darauf geachtet wird, die Gefahr (und die Beseitigungskosten) kennen und deshalb regelmäßig vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Offen ansprechen statt verschämt zu schweigen

So hat sich zum Beispiel der Deutsche Alpenverein entschieden, offen mit dem Problem umzugehen. Bettwanzen sind weltweit auf dem Vormarsch – und zwar umso mehr, je weniger drüber geredet wird“, heißt es dort. Eigenen Schätzungen zufolge sind mindestens zehn Prozent der Hütten betroffen, denn Bergsteiger tragen die Tiere häufig von einer Unterkunft zur nächsten. In Ecken, Ritzen und Spalten finden die Wanzen ideale Verstecke. Da es wirksame Gegenmaßnahmen gibt, müssen Gäste und Hüttenwirte Bescheid wissen und gemeinsam helfen statt die Probleme totzuschweigen, so die Devise. Dafür stellt der Alpenverein den Info-Flyer „Bettwanzen wandern mit“ zur Verfügung.

Unterwegs auf Spurensuche gehen

Trotzdem gibt es keine absolute Sicherheit. Bevor Sie sich im Hotelzimmer oder in anderen Unterkünften einrichten, sollten Sie Ausschau nach den genannten Anzeichen halten. Falls Sie welche finden, informieren Sie die Gastgeber und lassen Sie sich ein anderes Zimmer geben. Wenn Sie gebrauchte Betten, Möbel oder Second-Hand-Kleidung kaufen, ist die Spurensuche ebenfalls ratsam.

Das Gepäck mit Abstand zum Bett lagern

Auch wenn nichts zu sehen ist, sollten Sie Ihr Gepäck sicherheitshalber nicht in der Nähe des Bettes lassen oder auf dem Bett ein- und auspacken. Denn dann besteht die Gefahr, dass die nachtaktiven Wanzen hineinkrabbeln, Sie die fiesen Insekten nichtsahnend mit nach Hause nehmen und sie im eigenen Bett erneut zur Plage werden. Am besten sind Koffer, Taschen und Rucksäcke in der Badewanne geschützt, denn die erreichen die Tiere nicht. Lassen Sie auch Ihre Wäsche nicht auf dem Bett oder in der Nähe liegen, sondern hängen Sie sie auf Kleiderhaken oder über Stühle.

Hitze, Kälte, Staubsaugen, Putzen

Wenn Sie einen Verdacht haben, sollten Sie zu Hause alles Mitgebrachte erst einmal außerhalb der Wohnung, in der Badewanne oder auf dem Balkon lagern und dort auspacken. Kleidung kann bei 60 Grad gewaschen oder bei minus 18 Grad gefroren werden (das gilt auch für andere möglicherweise befallene Gegenstände). Ebenfalls (leider nur vielleicht) wirksam: Staubsaugen Sie gründlich bis in alle Ritzen und Ecken des Schlafzimmers und putzen Sie die Umgebung des Bettes intensiv.

Vielleicht nützlich: Doppelseitiges Klebeband

Auch kann es nützlich sein, unterwegs oder zu Hause die Füße des Bettes oder die Matratze mit doppelseitigem Klebeband abzukleben. Das ist zwar keine verlässliche Maßnahme, sie kann aber abschrecken, denn Bettwanzen mögen keine klebrigen Flächen. In diesem Film lässt sich gut beobachten, wie eine Wanze den Weg über ein Klebeband meidet, im Zweifelsfall aber doch rüberkommt. Das heißt, dass man sich nicht darauf verlassen darf, dass der Blutsauger festklebt, die Chance, dass er fernbleibt, aber trotzdem erhöht ist. Es ist allerdings nicht ratsam, allzu lange selbst herumzuprobieren, was hilft.

Insektizide, Flucht oder Bezüge helfen nicht

Haben alle Vorsichtsmaßnahmen nichts gebracht und die Wanzen sich wirklich im eigenen Bett eingenistet, ist nicht mehr viel zu retten. Das Umweltbundesamt rät von einer Bekämpfung in Eigenregie ab, da sie selten gelingt und gesundheitsschädlich sein kann. Auch wenn die Hersteller Erfolge versprechen, sollte niemand auf eigene Faust Insektizide oder sogenannte Bettwanzensprays einsetzen. Handelsübliche Gifte sind gefährlich, nicht immer wirksam und fördern die Bildung von Resistenzen. Außerdem wirken sie nicht gegen die Eier. Auch die Flucht vor den kleinen Vampiren nützt leider nichts. Die Idee, die Biester einfach aushungern zu lassen und woanders zu schlafen, funktioniert nicht, denn Bettwanzen können monatelang ohne Nahrung überleben. Schutzbezüge, wie sie zum Beispiel für Allergiker hilfreich sind, halten Wanzen nicht ab, da sie ihre Eier nicht in der Matratze ablegen.

Bei starkem Befall müssen Profis ran

An dieser Stellen helfen nur noch professionelle Schädlingsbekämpfer. Jetzt gilt: Je früher die Tiere professionell gejagt werden, desto besser. Bevor Profis zu ihren Maßnahmen greifen, brauchen sie eine eindeutigen Diagnose (Wanzen, Häutungshüllen, Kotspuren). Kammerjäger dürfen nur zugelassene Produkte zur Bekämpfung der Wanzenplage einsetzen. Eventuell haben sie die Möglichkeit, die Tierchen in einzelnen Räumen oder im ganzen Haus mit Hitze in einem Durchgang vollständig zu töten. Eine professionelle Bekämpfung muss in enger Zusammenarbeit mit den Schädlingsbekämpfern gut organisiert werden. Sie kann sich über mehrere Wochen hinziehen und – je nach Befall – mehrere hundert Euro kosten.

Bettwanzen: Hier gibt’s Adressen, die weiterhelfen

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Fotos: Albert