Ich mag meinen Job nicht mehr: Soll ich kündigen?

Trotz Frust bleiben viele auf ungeliebten Posten. Ein Job-Coach gibt Hilfestellung

Zu viel Stress, mangelnde Anerkennung, Unterforderung, Probleme mit Kollegen oder Vorgesetzten – Unzufriedenheit im Job kann verschiedene Ursachen haben. Gleichgültig worum es geht – wer das ignoriert und die Gründe dafür herunterspielt, kann langfristig psychisch krank werden, ein Burn-out erleiden oder Depressionen bekommen. Denn Unzufriedenheit im Beruf beeinflusst das ganze Leben – und kommt gar nicht so selten vor. Laut Umfragen ist etwa jeder zweite Deutsche nicht mehr zufrieden in seinem Beruf, verharrt aber in seiner Position und wird dabei zunehmend frustriert. Das Fatale daran: Der Frust bleibt nicht im Büro. Man trägt die Probleme mit nach Hause und ist auch dort meist unglücklich.

Niemand gibt gerne auf, was er hat

Oft ist es einfach Bequemlichkeit und mangelnde Bereitschaft, ein Risiko einzugehen. Manchmal hält einen auch die Hoffnung, dass sich von allein etwas zum Besseren wendet. Grundsätzlich machen Veränderungen erst einmal Angst. Aus der Psychologie ist bekannt, dass Menschen einen Verlust doppelt so schlecht verkraften wie sie einen Gewinn zu schätzen wissen. Das heißt, dass selbst die Aussicht auf einen besseren Job nicht so schnell zur Kündigung führt. Niemand gibt gerne etwas auf, was er hat. Selbst wenn es etwas Ungeliebtes ist.

Häufig muss man sich selbst verändern

Es gibt Menschen, die Erfolg über Glück stellen und deshalb nicht den Job wechseln“, sagt der Schweizer Verkaufstrainer, Speaker und Job-Coach Carsten Beyreuther. Doch nur ein Beruf, der einem wirklich Spaß macht, bringt Erfüllung und wirkt sich positiv auf das eigene Leben aus. Es lohnt also, die richtige Stelle zu finden und einen Neuanfang zu wagen. „Das bedeutet häufig aber auch, dass man sich selbst verändern beziehungsweise weiterentwickeln muss und nicht das Umfeld.“

Bei Mobbing einen Schlussstrich ziehen

Für viele ist die Arbeit am Ende des Tages doch nur ein Broterwerb. Deshalb arrangieren sie sich mit kleineren oder größeren Ärgernissen, solange es sich um eine sichere Stelle handelt und das Gehalt pünktlich gezahlt wird. Doch wenn die Probleme zunehmen, reift in der Regel der Wunsch nach einem Wechsel. Führen Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten beispielsweise bis zum Mobbing, sollte man einen Schlussstrich ziehen und in einer anderen Abteilung oder einem anderen Unternehmen einen Neustart wagen. Dabei darf man keine Angst vor einem vermeintlich schlechten Lebenslauf haben, der von häufigen Wechseln geprägt ist. „Wer seine Lebenssituation wohlüberlegt ändert, gilt alles andere als gescheitert“, sagt Carsten Beyreuther. Vor jedem Wechsel sollte man sich Gedanken machen und entscheidende Fragen klären:

1. Wie geht es mir, wenn ich an meine Arbeit denke?

Wer abends nach Hause kommt und Probleme des vergangenen Arbeitstages noch einmal durchgeht und nicht abschalten kann, sollte langfristig an einen Jobwechsel denken. Das gilt auch für Leute, die morgens mit negativen Gefühlen aufstehen und bereits unmotiviert bei der Arbeit ankommen.

2. Warum habe ich mich für diesen Job entschieden?

Wer aus wirtschaftlichen Zwängen oder zufällig in einen Job geraten ist, obwohl er etwas anderes machen wollte, stellt sich häufig die Frage: „Was wäre wenn?“ Die Motivation für den Job kam dann von Anfang an nicht aus dem Inneren. Deshalb grübeln die Betroffenen häufig darüber, ob ein anderer Beruf ihre Zufriedenheit fördern würde.

3. Warum will ich den Job wechseln?

Vorab sollte man klären, welche Gründe es wirklich für die Unzufriedenheit gibt. Sind es finanzielle Aspekte, mangelnde Aufstiegschancen oder Konflikte im Team? Also Probleme, die sich möglicherweise klären lassen? Oder liegt es an der Tätigkeit selbst?

4. Welche Konsequenzen zieht ein Jobwechsel nach sich?

Machen Sie sich die Konsequenzen bewusst, die mit einem Jobwechsel verbunden sind. Steht ein Umzug an? Verändern sich die Arbeitszeiten und Arbeitsorte? Besprechen Sie das auch mit Ihrer Familie oder dem Partner.

5. Wann gelingt ein erfolgreicher Wechsel?

Vor allem, wenn die Motivation stimmt: Nutzen Sie Energie (oder auch den Frust), um klare Ziele für die eigene Weiterentwicklung zu definieren und sich bewusst zu machen, welche Tätigkeit Sie in Zukunft ausüben wollen. Das hilft, schon vor der eigentlichen Bewerbungsphase Ausschlusskriterien und positive Erwartungen für potenzielle Arbeitgeber festzulegen. Weitere Informationen unter www.verkaufstraining-beyreuther.de

Foto: Albert

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