Silvester Umweltverschmutzung

Silvester-Knaller: Warum wir nicht mehr böllern sollten

Weil ein neues Jahr anfängt, verpesten wir die Luft, quälen Tiere, verbrennen Geld. Das lässt sich ändern

Corona, Lockdown, Böllerverbote – die Pandemie hat Silvesterrituale verändert. Und das ist aus Umweltschutz- und Gesundheitsgründen eine gute Nachricht für alle, die ohnehin zur Fraktion der Anti-Knaller gehören und sich schon länger für Kracherverbote aussprechen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der Online-Portale der Funke-Mediengruppe ergab bereits vor Corona, dass 60 Prozent der Deutschen für ein Böllerverbot in deutschen Innenstädten plädieren; darunter mehr Frauen als Männer. In einigen Städten wurde das schon vor drei Jahren umgesetzt und war eine gute Gelegenheit, mehr Menschen davon zu überzeugen, dass es auch ohne Krach geht. Hier gibt’s fünf Argumente für eine knallfreie Silvesternacht:

Feinstaub: 15,5 Prozent des Straßenverkehrs

Das Bundesumweltamt weist darauf hin, dass fast 4500 Tonnen Feinstaub pro Jahr durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt werden – und zwar überwiegend in der Silvesternacht. Das entspricht etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmengen. Die Umweltexperten warnen auch vor den Folgen dicker Luft: „Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen.“ Ebenfalls bedenklich: Ein Großteil unserer Feuerwerkskörper stammt aus dem Ausland, wo unter zweifelhaften Bedingungen produziert wird.

Müll: Tonnenweise auf den Straßen

Vor allem in Großstädten und dicht besiedelten Gebieten werden am Neujahrsmorgen die hässlichen Hinterlassenschaften der Nacht sichtbar: Auf den Straße liegt tonnenweise Müll, aufgeweichte Böller, pyrotechnische Abfälle und vieles andere, was man sonst nicht einfach auf den Bürgersteig wirft. In Hamburg oder Frankfurt waren es nach typischen Silvesternächten etwa 25, in München sogar 40 Tonnen. Die Müllabfuhr muss Extra-Schichten einlegen, um alles wieder sauber zu kriegen. Während wir uns sonst im Alltag zunehmend um Müllvermeidung bemühen, galt das jahrzehnte lang nicht an Silvester.

Tiere: Lebensfährliche Panik

Für Tiere ist der Krach purer Stress. Sie haben ein viel feineres Gehör als Menschen und geraten häufig in Todesangst. Sie wissen nicht, was los ist, und können sich auch nicht daran gewöhnen. Während die Menschen ihre Haustiere drinnen noch einigermaßen schützen, endet die Nacht für Wildtiere oft tödlich. Sie halten Raketen und Co. für Feinde, suchen panisch das Weite, werden überfahren oder sterben vor Schwäche, weil sie im Winter keine Energiereserven mehr haben. Manche Tiere brauchen danach mehrere Wochen, um in ihr normales Leben zurückzufinden. Vögel verlieren bei Rauch und Blitzen die Orientierung, werden geblendet und fliegen irgendwo gegen, weil sie nicht mehr rechtzeitig ausweichen können. Der deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass auch für Pferde und Rinder auf Weiden die Gefahr besteht, dass sie in Panik geraten und ausbrechen.

Geld: Aufgelöst in Schall und Rauch

Mit jeder Rakete jagen wir Geld in den Himmel, das sich nach wenigen Sekunden für immer auflöst. Die Deutschen investierten vor Corona insgesamt bis zu 137 Millionen Euro jährlich in Schall und Rauch. Unfassbar viel, wenn man bedenkt, was ein solcher Geldsegen sonst bewirken könnte. Mit dem Slogan „Brot statt Böller“ weist das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ darauf hin, dass das mehr als doppelt so viel ist wie die Organisation sonst im Jahr an Spenden bekommt. Wie jeder helfen kann, erfahren Sie hier.

Verletzungsrisiko: Zerfetze Körperteile

Jedes Jahr zu Silvester landen Menschen mit Horrorverletzungen in der Notaufnahme: Kaputte Hände, verbrannte Haut, abgetrennte Körperteile, Augenverletzungen, Hörschäden – die Liste der Leiden ist lang. Dabei müssen nicht nur Hobby-Pyrotechniker, Betrunkene, unwissende Bastler oder unvorsichtige Kinder behandelet werden. Es trifft häufig auch Zufallsopfer. Vor allem mit illegalen und selbstgebastelten Böllern kommt es oft zu schweren Verletzungen.

Fotos: Albert

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